Skip to content
Review Open access

Personalisierte Sepsistherapie und moderne Studiendesigns

Sep 2026 · Medizinische Klinik - Intensivmedizin und Notfallmedizin · Vol 121, pp. 550 - 556 · 0 citations · 18 references
Medicine

Abstract

Bei der Sepsis handelt es sich um eine lebensbedrohliche Organdysfunktion als Folge einer Infektion. Trotz jahrzehntelanger Forschung existiert bis heute kaum Evidenz für kausale Therapieansätze gegen diese Wirtsantwort. Die Diskrepanz zwischen stetig wachsendem biologischen Verständnis und begrenztem klinischen Fortschritt wird häufig als „translational gap“ bezeichnet. Randomisierte Studiendesigns waren zum einen auf heterogene Patientenkollektive fokussiert und nutzten zum anderen die Mortalität als primären Endpunkt. Dadurch besteht die Gefahr, dass potenziell wirksame Interventionen in biologisch unterschiedlichen Patientengruppen verwässert werden und potenziell relevante Effekte statistisch nicht erkennbar sind. Die Fülle an negativen Sepsisstudien hat nicht nur zu einer Art Fatigue der Wissenschaftler, sondern auch zu einer Angst vor finanziellem Schaden für die forschende Industrie geführt. Neuere Studien deuten jedoch darauf hin, dass präzisionsmedizinische Ansätze einen Ausweg aus dieser Situation bieten könnten. Die aktuellen Untersuchungen ANDROMEDA-SHOCK‑2, ImmunoSep und Tigris nutzen physiologische oder immunologische Phänotypen zur Patientenselektion und kombinieren diese mit innovativen Endpunkten und modernen statistischen Methoden. Gemeinsam zeigen sie, dass eine stärkere Ausrichtung an der zugrunde liegenden Pathophysiologie klinisch relevante Vorteile sichtbar machen kann, die in klassischen Studiendesigns verborgen bleiben. Diese Entwicklungen markieren einen grundlegenden Wandel in der Sepsisforschung: weg von universellen Therapiekonzepten, hin zu individualisierten, biologisch begründeten und adaptiven Behandlungsstrategien.

Read PDF

We use cookies to run the site and, with your consent, for analytics and to show ads. See our Cookie Policy.