„Sie als zukünftige Lehrerin“ Fallanalysen zum Verhältnis von Geltungs- und Angemessenheitsfragen im Rahmen erziehungswissenschaftlicher Staatsexamensprüfungen
Abstract
Der Artikel untersucht auf der Grundlage zweier Fallrekonstruktionen die empirische Frage, inwiefern sich das „Theorie-Praxis-Problem“ des Lehramtsstudiums auf die Interaktion in mündlichen Prüfungen der erziehungswissenschaftlichen Studienanteile niederschlägt. Mit dieser Frage verbinden sich theoretische Implikationen sowohl für unser empirisch begründetes Verständnis der ersten Phase der Lehrer:innenbildung als auch für unser Verständnis der Logik von (mündlichen) Prüfungen und der Disziplin Erziehungswissenschaft. Die Untersuchungsfrage wird auf spezifische Weise operationalisiert und eingeschränkt: Wir richten unseren Blick nicht auf spezifische Wissensbestände, die mehr oder weniger dem Anspruch der Praxisrelevanz entsprechen – wie z. B. Anwendungswissen –, sondern auf die Differenzierung unterschiedlicher erziehungswissenschaftlicher Diskursformen und ihre empirische Verschränkung in der Prüfungskommunikation. Die über eine Fallkontrastierung gewonnenen Ergebnisse legen dabei nahe, dass eine spezifische kommunikative Herausforderung mündlicher Prüfungen in Erziehungswissenschaft für die Geprüften darin besteht, Angemessenheitsdiskurse geltungsdiskursiv einzubetten.