The institutional design and empirical evidence on financial steering instruments in four European health systems and the effectiveness of copayments emerges as a function of three interrelated conditions: the type of service, the behavioural-economic design and the institutional architecture.
Abstract
Steigende Gesundheitsausgaben und der demografische Wandel stellen die Finanzierung und Steuerung gesundheitlicher Versorgung in Deutschland vor zunehmende Herausforderungen. Zuzahlungen werden in der gesundheitspolitischen Debatte regelmäßig als Instrument zur Reduktion von Fehlinanspruchnahme diskutiert, zuletzt im Kontext eines Primärarztsystems. Der vorliegende Beitrag analysiert die institutionelle Ausgestaltung und empirische Evidenz finanzieller Steuerungsinstrumente in 4 europäischen Gesundheitssystemen (Deutschland, Niederlande, Frankreich, Dänemark) und führt die Befunde in einer gesundheitsökonomischen Synthese zusammen. Die Wirksamkeit von Zuzahlungen erweist sich als Funktion dreier ineinandergreifender Bedingungen: der Leistungsart, der verhaltensökonomischen Ausgestaltung und der institutionellen Architektur. Uniforme Zuzahlungen wirken regressiv und belasten Versicherte mit geringem Einkommen überproportional. Eine Wiedereinführung der Praxisgebühr in ihrer früheren Form ist auf Basis der internationalen Evidenz nicht zu empfehlen. Sinnvoll erscheint hingegen eine Konstruktion, die Zuzahlungen als gezieltes Lenkungsinstrument an jenen Stellen einsetzt, an denen Fehlinanspruchnahme empirisch festgestellt wird, etwa beim unangemessenen Verlassen eines koordinierten Versorgungspfades. Voraussetzung ist eine Ausgestaltung, die verhaltensökonomische Effekte und einkommensbezogene Unterschiede berücksichtigt. So konzipiert können Zuzahlungen zur Verbesserung der Patientensteuerung beitragen, ohne den Zugang zur Regelversorgung zu gefährden.
Im Kontext aktueller gesundheitspolitischer Reformdebatten wird im deutschen Gesundheitswesen verstärkt über Instrumente der Patientensteuerung diskutiert. Diese zielen darauf ab, Zugangswege zur Versorgung zu koordinieren, Fehl- und Überversorgung zu reduzieren und Patientinnen und Patienten bedarfsgerecht durch ein k...
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S. Michl, Annett Wienmeister· Ethik in der Medizin· 0 citations
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