Oct 2026· Ethik in der Medizin· 0 citations· 13 references
Abstract
Im deutschsprachigen Raum sind Lehr-Lern-Einheiten zur Geschichte der Gesundheitsberufe im Nationalsozialismus – insbesondere zu deren Beteiligung an Rassenpolitik und medizinischen Verbrechen – an vielen Ausbildungseinrichtungen etabliert sowie in lokalen und nationalen Lernzielkatalogen verankert. Häufig bleibt jedoch unklar, welche Lernziele konkret verfolgt werden sollen: Geht es um die Vermittlung historischen Grundwissens, um die Bereitstellung von ethischem Orientierungswissen oder um die Prägung professioneller Selbstverständnisse? Darüber hinaus geht mit der Verschränkung beider Fächer die Frage nach deren Verhältnis einher. Problematisch können dabei Aneignungsprozesse in beide Richtungen sein: ein affirmatives Lernen vermeintlicher „Lehren aus der Geschichte“ im Sinne stark normativer Zielsetzungen aus geschichtsdidaktischer Perspektive oder umgekehrt aus ethikdidaktischer Perspektive die Nutzung der Geschichte als „extremstes Beispiel“ für unethisches Handeln zur Sensibilisierung für aktuelle ethische Fragestellungen. In einem solchen Spannungsverhältnis erscheint die Verbindung historischer und ethischer Lernziele zwar gewünscht, in ihrer konkreten Ausgestaltung wirft sie jedoch grundsätzliche didaktische Fragen auf.
Vor diesem Hintergrund schlagen wir eine Annäherung von Geschichts- und Ethikdidaktik vor, indem wir für beide Fächer relevante Kompetenzen in Teilkompetenzen ausdifferenzieren und diese ins Verhältnis setzen. Wir argumentieren, dass das Herausstellen disziplinärer Gemeinsamkeiten und Unterschiede grundlegend klären kann, wie Geschichte und Ethik fächerverbindend unterrichtet werden kann. Hierzu arbeiten wir vier Elemente heraus, die einen fächerverbindenden, kompetenzorientierten Lehr-Lern-Prozess kennzeichnen: 1. Aufgreifen der emotionalen Dimension historischen und ethischen Lernens, 2. Historische und ethische Fragen formulieren und erschließen, 3. Perspektivität, Partialität und Narrativität reflektieren und 4. Historisches und ethisches Denken als Handlungsgrundlage konzipieren.
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